Kategorien &
Plattformen

Gottes Segen für das neue Jahr!

Gottes Segen für das neue Jahr!
Gottes Segen für das neue Jahr!

Das Evangelium wieder relevant werden lassen
 
FRANKFURT.- Mit einem klaren Ja zum Synodalen Weg, den die katholische Kirche in Deutschland gehen will, startet Bischof Dr. Georg Bätzing ins Jahr 2020. „Ich habe mich im Vorfeld stark für den Synodalen Weg eingesetzt und werde das weiter tun, denn ich sehe darin die große Chance einer breiten gemeinsamen Vergewisserung darüber, wie unter den Bedingungen positiver Zeitgenossenschaft die Botschaft des Evangeliums für und mit Menschen heute relevant werden kann“, sagte Bätzing in seiner Predigt zum Jahreswechsel am Dienstag, 31. Dezember, im Frankfurter Dom. 
 
Beim Synodalen Weg, den die deutschen Bischöfe gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ausrichten und der sich der Situation der Kirche in Deutschland stellen will, gehe es nicht um Strukturen, sondern um Inhalte, die ganz zentral mit der Grundbotschaft des Glaubens zusammenhingen und die sich in der künftigen Gestalt der Kirche besser abbilden sollen als bisher. So könne die Kirche wirklich als Zeichen und Werkzeug der Verbindung von Gott und Menschen wahrgenommen werden. 
 
Kein Aufstand liberaler Kräfte 
 
Für den Synodalen Weg seien nicht irgendwelche Themen ausgewählt worden, sondern genau die, die die wissenschaftliche Bearbeitung der Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche als systematische Faktoren benannt habe. „Die Entscheidung zum Synodalen Weg war kein von langer Hand vorbereiteter ‚Aufstand’ liberaler Kräfte mit dem Ziel, endlich lange angemahnte Veränderungen durchzudrücken und dabei sogar die Abspaltung von der weltweiten katholischen Kirche in Kauf zu nehmen“, so der Bischof. Der Weg sei vielmehr eine Konsequenz mit der krisenhaften Situation der Kirche umzugehen und die herausfordernde Zeit zu einer Chance werden zu lassen, einer langen und schleichenden Spaltung entgegenzuwirken und die Themen anzupacken, die lange verdrängt worden seien. 
 
Vier Themen will man sich in vier großen Foren in den kommenden beiden Jahren besonders stellen. Es gehe um die Frage nach Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, um Fragen der Sexualmoral, um die Frage, wie priesterliches Leben in Zukunft aussehen kann und um die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. „Das Forum ‚Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche’ beleuchtet für mich die dringlichste Fragestellung, und auch hier wünsche ich mir Veränderungen. Denn dies ist Voraussetzung dafür, die Relevanz von Glaube und Kirche überhaupt wieder in die gesellschaftliche Debatte einzubringen und das wird nur in einer großen Gemeinsamkeit von Frauen und Männern der Kirche gelingen“, sagte Bätzing. Auch wenn es heute bereits engagierte und kompetente Frauen gebe, die Leitungsaufgaben in der Kirche ausfüllten, müsse er als Bischof ernstnehmen, dass der Ausschluss der Frauen von Weiheämtern als grundlegend ungerecht und unangemessen wahrgenommen werde. Die redlich vorgetragenen Argumente für ein nur Männern zukommendes sakramentales Amt in der Kirche würden in der Theologie schon lange einer kritischen Betrachtung unterzogen und von vielen Gläubigen einfach nicht mehr angenommen. 
 
Offene Worte statt öffentlicher Schlagabtausch
 
Die Themen des Synodalen Weges trügen erhebliches Konfliktpotential in sich, so der Bischof. Es gelte aber Antworten und neue Zugänge dazu zu finden. „Ich wünsche mir sehr, dass eine Kultur des offenen Wortes, des wirklichen Hörens und Verstehen-Wollens und des Respekts miteinander geübt werden können. Das wird die geistliche Dimension dieses Vorhabens ausmachen, und es wird uns hoffentlich unterscheiden vom Schlagabtausch so mancher Debatte im öffentlichen Raum“, sagte Bätzing. 
 
Letztlich gehe es beim Synodalen Weg auch darum, zu fragen, was Gottes Wille für die Kirche in Deutschland heute sei und wie die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten seien. Alles müsse mit dem „ehrlichen Zuhören, mit echter Liebe zu unserer Zeit mit ihren Möglichkeiten und Risiken und mit Geduld“ beginnen.  Diese Haltungen wirkten dann „subtilen Versuchungen“ wie etwa dem Festhalten an vorgefassten Meinungen, dem Wunsch nach Selbstrechtfertigung und Selbsterhaltung oder der Such nach raschen Ergebnissen, entgegen.